Kibaya / Tansania
Einsatz 2024
VIA CORDIUM baut ein Hilfsprojekt im Land von König der Löwen auf
Wie baut man ein langfristiges Hilfsprojekt in einem abgelegenen Teil der Welt auf? Erste spannende Erfahrungen aus erster Hand…von dem Einsatzteam der Lübecker Hilfsorganisation VIA CORDIUM. Ein Einsatzbericht.
Text: Laura Tomala
„Hakuna matata“ – das ist wohl der bekannteste Ausdruck auf Swahili, spätestens seit König der Löwen. Der Ausdruck bedeutet frei übersetzt „Alles in bester Ordnung“…doch wie es den Menschen in Tansania geht und ob alles in bester Ordnung ist und wie wir helfen können, das wollten wir herausfinden bei unserem ersten humanitären Einsatz in Tansania. Wir? Das ist ein fünfköpfiges Team aus Norddeutschland, Mitglieder von VIA CORDIUM e.V., welche alle beruflich im medizinischen Bereich tätig sind. In der abgelegenen Stadt Kibaya, zu dem lediglich eine unwegsame staubige Schotterpiste ihren Weg gefunden hat, trafen wir vor wenigen Wochen erstmals auf ein 10-köpfiges tansanisches Team. Aufgebaut auf eine 26-jährige Freundschaft zwischen dem Chirurgen Mathias Tomala, Vorsitzender von VIA CORDIUM und Dr. Godfriend Mbise, Arzt in Kibaya, begegnete sich das internationale Team mit viel Zuversicht, ein vielseitiges und nachhaltiges „Freundschaftsprojekt“ aufzubauen. Ganz im Sinne der Philosophie von VIA CORDIUM war der Kontakt von Anfang an auf Augenhöhe mit dem Einsatzteam vor Ort mit dem Schwerpunkt auf einem intensiven Austausch, welcher zwei Themen umfasste: Die Verbesserung der medizinischen Versorgung und die Unterstützung der Vorschule und Schule in Kibaya.

Gemeinschaftsfoto vor der Pillar Dispensory. Ärztliche Leitung der Fortbildung durch Mathias Tomala, Dana Trost, Godfrient Mbise, Juliet Mbise und Laura Tomala.

Dana Trost unterrichtet Akupunktur.
Medizinische Fortbildung am Ende der Welt.
Wie sieht die medizinische Versorgung in einem abgelegenen Ort in Tansania aus? Von der zentralen Schotterpiste aus erläuft ein kleiner Sandweg zwischen trockenen Wiesen mit verdorrtem Gras. Wenn man den Ort nicht kennt, würde man ihn wohl nicht finden. Für die Einheimischen ist es ein Problem, denn jeder weiß hier wo sich die Krankenstation, die „Pillar Dispensory“ befindet. Das Gebäude ist rosa gestrichen und wird von Dr. Mbise seit vielen Jahren geleitet. Mit im Team sind zwei Ärzte in der Weiterbildung, ein Labormediziner und drei Krankenschwestern. Die Patienten kommen fußläufig, oft von weit her, viele stammen von dem Stamm der Massai. Gemeinsam mit dem Team entschieden wir uns für ein gemeinsames Fortbildungsseminar, sowohl für die Pflege als auch für die Ärzte, in einem bilateralen Austausch. Das Team aus Norddeutschland führte eine Fortbildung zum Thema Postoperatives Monitoring nach kleinen ambulanten Eingriffen, bei akuten Erkrankungen und bei Notfällen durch, angeleitet durch Peta Hömberg, einer erfahrenen Intensivpflegekraft und Painnurse der Schön Klinik Neustadt. Zudem erfolgte ein Naht- und Knotenkurs mit Ausflügen zum Thema Wundmanagement und Hygiene, angeleitet durch den Chirurgen aus der Schön Klinik Neustadt Mathias Tomala. Ein Kurs zu den Grundtechniken der Leitungsanästhesie an der Hand und am Handgelenk zur Versorgung von Verletzungen erfolgte von mir als Plastische Chirurgin und Handchirurgin mit Praxis in der Ostseeklinik in Bad Schwartau. Abgerundet wurden die ausschließlich praktischen Kurse durch eine Fortbildung zum Thema Schädelakupunktur nach Yamamoto durch die Pulmonologin und Spezialistin für Akupunktur Dr. Dana Trost. Ein Freundschaftsprojekt lebt von einem gegenseitigen Austausch und so erfuhren wir von unseren Tansanischen Kollegen wichtige Informationen zum Thema moderne Malariabehandlung.

Handchirurgische Fortbildung durch Laura Tomala.
Die Schule unter dem Baobab-Baum.
In dem „scheinbar“ kleinen Ort Kibaya, das weder ein Stadtzentrum hat noch an eine Bahnverbindung angeschlossen ist – gehen über 1000 Kinder in die lokale Grundschule. Oft nehmen sie weite und vielmals gefährliche Strecken zu Fuß auf sich, um täglich die Schule besuchen zu können. Sie begrüßen uns mit einem freudestrahlenden „Habari yako?“, das heißt „Wie geht’s?“ und rennen auf uns zu. Mit ihren Schuluniformen sehen die Kinder fast elegant aus – doch der erste Schein trügt, schon beim genaueren Hinsehen mussten wir feststellen, dass viele Schulzimmer nicht mit Sitzbänken oder Stühlen ausgestattet sind, überall fehlt es an finanziellen Mitteln. Im Gespräch mit dem Schulleiter Herrn Rassy und den sechsundzwanzig weiteren Lehrern fragen wir, wie wir helfen können. Sie benötigen Schulbänke, damit die Kinder aufrecht sitzen können und entspannt auf dem Pult schreiben und lernen können. Wir finden die Idee sehr gut und über VIA CORDIUM spenden wir über 30 Sitzbänke aus Holz. An einer weiteren Vorschule mit rund 80 Kindern spenden wir während unseres Aufenthaltes außerdem Schulmaterialien für das ganze Jahr und Unterrichtsmaterial für die Lehrer. Die begeisterten Kinderaugen haben uns besonderes beflügelt. Zum Abschluss gab es ein gemeinsames Spiel mit einem riesigen bunten Sprungtuch – als Zeichen für die gemeinsamen Ziele.

Schulkinder in der Grundschule von Kibaya.

Petra Hömberg mit dem Pflege-Team der Pillar Dispensory.
Wie geht es weiter?
„Der erste Einsatz ist immer der schwierigste“ so Mathias Tomala, welcher in den vergangenen neun Jahren viel Erfahrung mit dem Aufbau von Hilfsprojekten in aller Welt gesammelt hat „viele Entscheidungen kann man erst vor Ort treffen, es finden viele langwierige Gespräche statt, oft verbunden mit einem gemeinsamen Tee oder auch einem opulenten Essen. Oft muss man auch bei den lokalen Politikern vorsprechen“. Petra Hömburg berichtet weiter „Die Beteiligten tasten sich vor, wägen ab, überlegen, entscheiden. Durch die Mentalitätsunterschiede kommt es immer wieder zu Missverständnissen. Das ist manchmal gar nicht einfach und durchaus verwirrend. Aber man lernt dazu und die anderen auch.“ Wichtig ist dem Team von VIA CORDIUM ein langfristiges Projekt mit stetigem Auf- und Ausbau der Einsätze in der Krankenstation und in der Schule. „Je besser man sich kennt und je mehr Vertrauen man gewinnt, desto besser kann man sich abstimmen und auf die Bedürfnisse eingehen“ so Mathias Tomala „wir freunden uns an und pflegen persönliche Kontakte. Wir bringen nicht nur Geld mit sondern auch unser Fachwissen. Wenn man diese beiden Faktoren gezielt einsetzt, entsteht daraus ein nachhaltiges, langfristiges und sinnvolles Projekt.“ Das Kibaya-Team und das VIA CORDIUM Team sind auf jeden Fall schon Feuer und Flamme sich bald wieder zu sehen…in Kibaya, am Ende der Schotterpiste…unter dem Baobab-Baum. „Tutanonana“ – bis bald in Tansania!
