Nepal
Friendship Aid Project for Jhule
Wie baut man eine Krankenstation auf dem Dach der Welt?
Ein großes internationales VIA CORDIUM-Team weiht 2025 die neu gebaute Krankenstation in Jhule (Nepal) festlich ein.
Text: Laura Tomala
"Fahnen wehen im Wind, das Rascheln von festlichen Kleidern ist zu vernehmen, es riecht nach frisch gekochtem Duftreis, die Sonne tut ihr übriges und wärmt die Haut, Blumen werden herumreicht - so leicht und schön erinnere ich die Einweihungszeremonie des gerade fertig gestellten Gemeindehauses mit Krankenstation" erinnert sich Mathias Tomala, Vorsitzender der Lübecker Hilfsorganisation VIA CODIUM e.V. "Rund hundert Gäste, darunter die Dorfbewohner, lokale Politiker, Dorflehrer, die Handwerker welche maßgeblich am Bau beteiligt waren und natürlich unsere nepalesischen Freunde tummelten sich hier voller Freude, dass das Gemeindehaus mit Krankenstation nun in Betrieb genommen werden kann," so Tomala.

Das Gemeindehaus wird feierlich eröffnet. Im Vordergrund zwei Dorfbewohnerinnen von Jhule in traditioneller Tracht.
Doch diesem festlichen Ereignis ging ein langer und teils beschwerlicher Weg voraus. Im Jahre 2015 kam es zu zwei verheerenden Erdbeben, welche viele Regionen in Nepal nahezu vollständig zerstörten. In dem kleinen Dorf Jhule wurden die Steinhäuser zu über 90 Prozent zerstört und die Menschen hatten von einem Tag auf den nächsten buchstäblich kein Dach über dem Kopf. Gemeinsam mit einer nepalesischen Hilfsorganisation entschloss sich zu diesem Zeitpunkt eine Gruppe von Ärzten und Lehrern in Lübeck, darunter eine ganze Reihe Kolleginnen und Kollegen der Schön Klinik Neustadt, den eigenen Verein VIA CORDIUM zu gründen und vor Ort zu helfen. Die Bewohner des kleinen Dorfes Jhule wurden befragt, was ihnen, nach Übergabe von Nahrung, Kleidung, Wellblechdächern und Bau von Toiletten am meisten helfen würde und sie sagten, ein Gemeindehaus mit Krankenstation wäre ihr größter Wunsch. In dem Gemeindehaus könnte der Dorfrat zusammenkommen, die Frauengemeinschaft, Hochzeiten könnten abgehalten und Kinderfeste gefeiert werden. Und da das Dorf sehr abgelegen und nur schwer zu erreichen ist, wäre eine Krankenstation für die Gesundheit der Bewohner des Dorfes eine große Hilfe. In Nepal gibt es keine Krankenversicherung und die Menschen im Dorf sind arm, das selbst angebaute Gemüse reicht gerade für die eigene Grundversorgung und die nächste Krankenstation ist viele Kilometer weit entfernt.

Das internationale Einsatzteam 2025 aus Schleswig-Holstein mit Ärzten, Krankenschwestern und Medizinstudenten (Alph.): Natalie Baumann, Prof. Wolfgang Eichler, Andrea Eichler, Frida Eichler, Piet Eichler, Sagar Manandhar, Elisabeth Konrad, Michael Konrad, Friederike Konrad, Dr. Sailaj Ranjitkar, Dr. Christine Schwill, Karoline Schwill, Sophia Stegmann, Theodor Tharandt, Dr. Laura Tomala, Mathias Tomala.
Gesagt, getan – doch wo und wie baut man eine Krankenstation auf dem Dach der Welt? „Es begann ein Abenteuer“ erinnert sich Michael Konrad, VIA CODIUM Gründungsmitglied, „die Region, wo das Haus entstehen sollte, liegt an einem Terrassenfeld. Es musste daher zunächst der Hang mühevoll abgetragen und durch eine spezielle Mauer stabilisiert werden. Die Dorfbewohner haben den Hang teilweise mit den Händen abgetragen“ so Konrad weiter „Es hat uns gezeigt, dass die Dorfbewohner diesen Bau unbedingt wünschen und sie den Wunsch nicht von uns übergestülpt bekommen haben“. Im nächsten Schritt konnte mit dem eigentlichen Bau des Hauses begonnen werden. Damit es auch bei einem nächsten Erdbeben standhält, fiel die Wahl auf spezielle Backsteine, welche in der Mitte über ein Loch mittels stabiler Drahtstangen verbunden werden. Dach, Türen, Fenster, Toilette, Dusche – und nun noch der letzte Anstrich und die Einrichtung – und es fällt der Startschuss zum Gebrauch des Hauses.

Bei der Untersuchung der Dorfbewohner, hier Mathias Tomala, Laura Tomala und Sagar Manandhar.

Prof. Wolfgang Eichler beim Medical Check up.
"Es hat uns fast zehn Jahre intensive Zeit gekostet" so Professor Wolfgang Eichler, ebenfalls Gründungsmitglied von VIA CORDIUM e.V. "doch bei dem Heranreifen des Hauses haben wir viel gelernt. Bei den jährlichen Untersuchungen der Dorfbewohner durch ein deutsch-nepalesisches Ärzteteam konnten wir genau herausfinden, unter welchen Erkrankungen die Bewohner leiden und wie sie sich auch über die Jahre verändert haben. So konnten wir die Krankenstation gezielt ausstatten."
Und wie geht es weiter? Die Krankenstation wird von Pflegepersonal dauerhaft besetzt mit direkter Anbindung zum nächstgelegenen Krankenhaus. Enge Kontakte zu der Partnerorganisation in Nepal runden die Versorgung und dauerhafte Unterstützung ab. "Wir planen weiterhin jährliche Besuche unserer Krankenstation" so Eichler "dabei möchten wir auch weiter medizinische Check-ups anbieten und mit Fortbildungen für medizinisches Know-How mitbringen." Mit dem Gefühl der Dankbarkeit für diese vielen wertvollen Erfahrungen reiste das 15-köpfige Einsatzteam aus Nepal ab...im Gepäck die Sicherheit, ein klein wenig vom eigenen Glück weitergegeben zu haben.

Festliche Einweihungszeremonie im Gemeindehaus, im Hintergrund eine Fotoausstellung zur Entstehung des Gebäudes.


Große Freude in der lokalen Grundschule.
